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Meine Gedanken drehen sich. Ich denke, wie gut, dass mein Kopf rund ist, so kann ich meinen Gedanken prima beim Karussellfahren zuschauen. Ich habe so viele Gefühle in mir, dass ich nicht genau weiß, wohin ich hintreten, welchen Schritt ich als nächsten setzen soll.

Wieder mal denke ich an meine Kunst. Daran, was damit werden soll. Lohnt sich das überhaupt? Sollte ich das nicht lieber nur als Hobby betreiben und sonst nur arbeiten und ein ordentliches, nachvollziehbares und normales Leben führen, wie sich das gehört? Ich höre die Stimme meiner Mutter in meinem Kopf. Sie ermahnt mich dazu, mein BWL-Studium zu beenden, mir einen reichen Mann zu suchen, mit dem ich ihr einen Stall voller Enkel schenken kann.

Dabei bin ich glücklich. Nur unsichtbar, wie es scheint. So lange ich diese Hürden nicht alle nehme, so lange ich nicht meinen alten Namen wieder trage, so lange ich nicht normal bin, so lange bleibe ich unsichtbar.

Natürlich kann man mit Entscheidungen seiner Kinder unzufrieden oder nicht einverstanden sein. Ich kann auch gut verstehen, wenn man als Mutter ernste Bedenken hat, wenn die Tochter wieder einmal einen waschechten Narzissten nach Hause bringt, der hinter seinem strahlenden Lächeln und den guten Umgangsformen viel Unheil verheißt. Mütter haben für sowas manchmal einen siebten Sinn. Aber es gehört auch elternseitig eine ganz schöne Portion Mut und Loslassen dazu, seinem Kind den ganz eigenen Weg und die zugehörigen Erfahrungen zuzugestehen.

Denn sonst kommt irgendwann der Punkt, an dem die Beziehung zu brechen beginnt. Weil das Kind partout seinen eigenen Weg geht und nicht hören will. Allen Bitten und Ermahnungen zum Trotz. Letztendlich ist es von beiden Seiten eine Entscheidung. Will ich recht haben oder vom anderen verlangen, so zu sein, wie ich möchte? Oder will ich mich auf die so ganz andere Welt einlassen und dem Menschen darin offen begegnen? Ohne Vorurteile und interessiert an genau dieser Welt, die einem manchmal vielleicht Angst macht?