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Vor einigen Monaten habe ich Euch von meiner Entscheidung erzählt, dass ich mein Atelier gekündigt habe. Heute kann ich sagen, dass es richtig so war.
Wenn etwas belastet und einem die Luft zum Atmen nimmt, sollte man sich Raum verschaffen bevor man langsam daran zugrundegeht. 
Für mich selbst stand meine Gesundheit und damit meine körperliche Unversehrtheit auf dem Spiel. Ich spürte Schmerzen und fühlte mich so verletzt wie noch nie zuvor in meinem Leben. Trotz allen Dramas habe ich in letzter Instanz den Absprung geschafft und vielem den Rücken gekehrt. Natürlich tat das weh. Jeder Bereich traf mich in seiner ganz eigenen Qualität, kann ich sagen. Mir wurde mit Ignoranz, Ungerechtigkeit und Härte begegnet. Nun…nichts ist selbstverständlich in diesem Leben. Und das waren ebenfalls mögliche Reaktionen auf meinen Rückzug, die mich zusätzlich viel gelehrt und mir gezeigt haben, wie Menschen sein können. Und wie viele nur reden anstatt Dinge aktiv und tatsächlich reflektierend anzugehen. 
Ich habe einige Monate gebraucht, seit es im letzten Jahr begann. Regeneration braucht ihre Zeit. Gerade wenn man sie von so weit unten beginnt. 
Mein Zugang zu Ideen und Kreativität war seit April 2016 komplett weg. Ich habe nicht mehr geschrieben. Aus Angst vor heftigen Reaktionen. Nicht mehr gemalt. Weil meine Leichtigkeit einer bisher nicht gekannten Schwere wich. Weil ich getragen habe und das weit mehr als mich selbst. Weil ich es so gewohnt war. Weil man das so macht, wenn man liebt. Am Ende war ich trotz mühseligen Lächelns nur noch ein Schatten meiner selbst und voller Traurigkeit und Zweifel. 
Seit über einem Jahr halte ich nun still. Und warte. Darauf, dass sich die Türen zu diesem luftigen Bereich in mir wieder öffnen und etwas Licht einfällt. Dass ich wieder kreativ sein und mich in Farben und Formen und mit zigtausend Ideen ausdrücken kann. Ich möchte nichts forcieren, nichts zur Tür zwingen, was nicht freiwillig hindurchkommen mag. 
Dabei kann ich heute mit leiser Dankbarkeit behaupten, dass ich in den letzten Wochen wieder ein, zwei Gedichte geschrieben habe. Dass das “einfach so” kam. Ohne Nachdenken. Ohne ein “Uhhh, ob das was wird? Ich bin doch schon so lange raus!”.
Und genau so ist es richtig. Behutsam. Mit viel Liebe und Freundlichkeit mir selbst gegenüber. Mit Gelassenheit und dem Wissen, dass es so kommt wie es soll und ich mich deswegen auch gar nicht hetzen muss.
Die Tage stelle ich ein erstes, neues Gedicht öffentlich ein und zeige mich damit wieder. 
Weil ich meinen Mut wiedergefunden habe. 
Weil es sich richtig anfühlt. 
Weil das ich bin.