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Ein paar Monate ist diese Entscheidung schon alt. Heute will ich Euch davon erzählen.
 
Vor eineinhalb Jahren habe ich das Atelier in Haan angemietet, zog mit meinem Freund zusammen, war voller Träume und den besten Absichten für meine Kunst und meine Selbstständigkeit.
 
Klar waren das viele Veränderungen auf einmal und ich musste mich einige Wochen und Monate erst einmal zurechtfinden in der neuen Umgebung. Neue Routinen bilden, mich einrichten und auch die neue Zweisamkeit wollte aktiv gestaltet werden. Sowas braucht seine Zeit und die wollte ich allem auch geben.
 
Doch einige Dinge habe ich ehrlich gesagt unterschätzt. Dass mich der lange Arbeitsweg zu meiner Arbeit nach Köln so sehr erschöpfen  würde. Auf der einen Seite sind gut 2,5 Stunden am Tag mit Fußweg, Bus und zwei Bahnen eine gute Gelegenheit zum Lesen und Schreiben. Ich halte viele meiner wichtigen Kontakte lebendig und das täglich. Denn das ist etwas, das mir Kraft gibt und was mich bereichert. Und was ich oftmals morgens auf dem Weg zur Arbeit mache.
 
Auf der anderen Seite habe ich aber auch naiverweise gedacht, dass alle Verkehrsmittel in den meisten Fällen gut ineinandergreifen. Das ist leider nicht der Fall und so verlängerte sich mein Arbeitsweg an manchen Tagen auch schon mal auf 3 oder 4 Stunden. Züge fielen aus, Busse wurden deswegen verpasst und an meiner Endhaltestelle fahren Busse ab 19 Uhr nur alle Stunde. Da muss man dann sehr flexibel und hart im Nehmen sein.
 
Ich hatte nach einigen Monaten kaum mehr Energie für das Atelier, für meine Kunst. Malkreise fanden trotzdem einige statt und sie sind nach wie vor wunderbarer Bestandteil meines Lebens. Doch sie wurden seltener. Auch ist der Standort im Industriegebiet in Haan jetzt keiner, wo einem von Haus aus die Laufkundschaft die Bude einrennt. Also sind Werbung und Energieaufwand hierfür notwendig. Ich schaltete ein paar Anzeigen auf Facebook, folgte dabei dem Rat eines Social Media Managers, der mir auch sagte, was bei meiner Landingpage alles zu verbessern sei. Machte ich. Es brachte effektiv Null.
 
Dazu kamen dann im letzten Sommer ein Zusammenbruch, im Herbst und Winter noch ein, zwei große private Veränderungen und mir wurde nach und nach klar, dass ich jetzt erst einmal Zeit für mich brauchte. Reduktion. Auf den Menschen, der am meisten auf mich wartete und den ich in den vergangenen Monaten viel zu oft übergangen habe: Mich selbst.
 
Zu viel habe ich getragen. Mich in vielen Bereichen weit über das gesunde Maß hinaus belastet. Und gedacht, dass ein kleinster gemeinsamer Nenner schon irgendwie ausreichen würde um gut zu leben. Doch letztendlich hat mich das langsam aufgefressen. Ich habe im letzten Frühling den Zugang zu meinen Träumen und Ideen verloren, die insgesamt einer tiefen Traurigkeit Platz gemacht haben. Darüber hatte ich damals ja auch schon geschrieben gehabt. Dieser Zustand ist bis heute geblieben.
 
Und so habe ich das Atelier gekündigt. Nicht, weil ich keine Kunst mehr machen will. Sondern weil das in der ursprünglich geplanten Kombination einfach nicht funktioniert. Und weil ich damit dem Atelier nicht die Energie und Aufmerksamkeit entgegenbringen kann, die es verdient hat und die es braucht, damit ich es unterhalten kann. Ja, das macht mich natürlich auch traurig. Gleichzeitig weiß ich, dass sich an anderer Stelle wieder etwas ergeben wird, wenn die Zeit so weit ist. Es muss tatsächlich in mein Leben passen, dann werde ich es erkennen und die Chance ergreifen. Aber jetzt ist nicht die Zeit dafür.
 
Bis August werde ich noch Malkreise im Atelier in Haan geben. Was dann kommt, werden wir sehen.