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Nach Familienfeiern oder Zusammentreffen mit mehreren Familienmitgliedern habe ich meist noch eine Weile daran zu knabbern. Es arbeitet in mir. Ich zeige mich mit dem, was ich lebe und ziehe Vergleiche zu anderen Leben. Verheiratet? Haus? Kinder?
Mein Kopf ist ziemlich ins Denken verliebt und so ist er nach solchen Situationen auch gleich mit Fragen beschäftigt, die zwar grundsätzlich spannend sind aber die keinerlei fruchtbare Antworten bringen.
Was wäre, wenn ich meinen Lebensplan von damals weiterverfolgt hätte? Wenn ich verheiratet geblieben wäre? Mich mit meiner mich hassenden Schwiegerfamilie abgefunden oder ihnen mal ordentlich die Meinung gegeigt hätte? Wenn ich fürs Aushalten jetzt ein Haus mit einem Rechtsanwalt hätte, vielleicht auch ein Kind und mich innerhalb meiner Komfortzone bewegen würde? Das wäre bequem. Und auch sehr frustrierend. Denn es würde einen sehr hohen Preis fordern.
Dazu passt ein Traum von mir, den ich von Samstag auf Sonntag hatte. Es war ein grausamer Traum, an dessen Ende das Gefühl von warmem Nichtwissen stand. Es flutete mein Gehirn und ich vergaß, was ich wusste und mir wichtig war.
Ich wachte schweißgebadet auf und fühlte regelrecht, was ich bei der Wahl des Vergessens, des “anerkannt Normalen” alles verlieren würde. Beide Seiten hatten ihren Vorteil, ich würde dennoch weiterhin die Seite der bewussten Wachheit, der Veränderung und der von mir aus auch aufregenden und manchmal unbequemen Wahrheiten wählen.
Einige der Lebensentwürfe, die mir begegnen, wurden auch aus der gefühlten Verantwortung von “wer A sagt, muss auch B sagen” weitergeführt, obwohl man sich nicht wirklich sicher war, ob das der richtige Weg sei. Ein zweites Kind wird in die Welt gesetzt obwohl man nicht mehr miteinander glücklich ist und eigentlich über Trennung nachdenkt. Ein Haus gekauft, weil “man das so macht” und es ja dazugehört. Vieles ist nur Fassade und wird aufrechterhalten. Aus Bequemlichkeit und Angst, sich für das zu entscheiden, was einem wirklich wichtig ist. So stirbt dann nicht nur der Wille, Dinge aktiv zu bewegen sondern es verschwinden auch oftmals die eigenen Träume, denen man dann später im Alter nachtrauert. Denn die Zeit eines Menschenlebens auf der Erde ist nun einmal endlich.
Ich weiß selbst sehr gut, dass es viel Mut erfordert, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Gerade auch, wenn sie von allgemein gewählten Wegen abweichen und für andere Menschen erst erklärt werden müssen, damit dort überhaupt die Chance auf Verständnis besteht.
Ich bin gut so, wie ich bin. Mein Weg ist für mich der richtige. Und das ist es, was wirklich zählt.
Manchmal vergisst der Kopf das beim Denken.