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2016-01-09 15.07.33
Mit der Kreativität ist es manchmal wie verhext. Man braucht sie, vielleicht sogar auf Knopfdruck, weil etwas wichtiges ansteht oder fertig werden muss. Das ist dringend. Oder man will endlich wieder reinkommen in diesen Flow, den irgendwie jeder andere zu haben scheint.
Doch bei einem selbst….da kommt gerade gar nichts. Aber so GAR nichts. In Gedanken rollt vielleicht sogar ein einsamer Wüstenbusch übers Gehirn.
Bei mir ist das so, dass ich manchmal einfach viel zu viele Möglichkeiten habe, mich gedanklich auf nichts wirklich festlege und mich dann dazwischen verzettele. Und mit meiner wilden Zettelei im Kopf natürlich nirgendwo ankomme.
 

Also was tun, um der Muse ein bisschen auf die Sprünge zu helfen?

Hier hilft mir dann die folgende Technik immer sehr gut. Und zwar die der Reduzierung.
Bei Bildern suche ich mir zum Beispiel nur zwei Farben aus anstatt sieben. Das zwingt mich auf der einen Seite dazu, mit dem klarzukommen, was ich habe. Damit zu experimentieren und ganz neue Wege zu gehen, Farben aufeinander abzustimmen, zu mischen, Effekte zu erzeugen. Auf der anderen Seite nimmt es mir den Druck, immer noch mehr dazumischen zu wollen und letztendlich nur einen Haufen Farben nebeneinander zu haben. Am Ende empfinde ich das Werk als viel zu überladen und dann schmollen wir beide, das Bild und ich.
Auch bei den sonstigen Materialien (Papier, Sand, Strukturpaste und den tausend anderen) mache ich das manchmal so. Es werden nur begrenzt Effekte eingesetzt, damit sie wirken können und auch Luft zum Atmen und Entfalten haben.
Zwei Farben, zwei Materialien. Und dann schauen, was Kopf und Hand daraus machen.
 

Bei Texten ist es ähnlich

Ich picke mir einen Oberbegriff raus, zu dem ich schreibe und in dessen Bereich ich thematisch bleibe.
Oder ich entdecke bereits beim Schreiben eines Gedichts eine Form, eine Art der Wiederholung, an der ich hängenbleibe und zu der ich dann Passendes finden “muss”. Zum Beispiel immer nur zwei Worte. Oder in der dritten Zeile jeweils nur Adjektive. Oder nur Worte, die zum Thema “Reise” passen.
 

Grenzen setzen um erfinderisch zu werden

Natürlich ist das jeweils eine Begrenzung. Und natürlich rennen wir oft genau dagegen an, weil es ja viel schöner ist, völlig frei zu sein. Und dennoch können diese selbstgesteckten Grenzen einen unglaublich kreativ werden lassen. Weil man neue Wege findet, mit dem umzugehen, was sich einem in dem Moment bietet.
Unser Geist ist unglaublich erfinderisch. Geben wir ihm also ein Thema, eine Spielwiese und locken ihn ein bisschen. So kommt die eigene Kreativität wieder in Schwung.